Kritisch
Lead Story
40% im Pilot, 18% ohne KIS-Update: Kliniken drücken auf die ePA, aber der Rollout bleibt fragil
Die DKG meldet auf Basis einer DKI-Blitzumfrage unter 489 Krankenhäusern einen klaren Fortschritt beim ePA-Rollout: 40% der Häuser haben mit der Pilotierung in Versorgungsprozessen begonnen, 90% die technische Inbetriebnahme gestartet. Gleichzeitig haben 18% noch immer kein KIS-Update, und 43% erwarten die krankenhausweite Nutzung erst ab Q3 2026. Entscheidend ist dabei die Mechanik hinter dem Druck: Die DKG warnt vor Kürzungen der TI-Finanzierung bei verspäteten Primärsystem-Updates, während die GKV/DKG-Vereinbarung fehlende Anwendungen im Abrechnungszeitraum finanziell sanktioniert.
40%
mit Pilotierung in Prozessen
43%
Vollbetrieb erst ab Q3
- Häuser mit Vendor-Blockern stehen unter doppeltem Druck: Technik hängt am Hersteller, Erlöslogik läuft trotzdem weiter.
- KIS-Anbieter werden vom Lieferanten zum unmittelbaren Finanzierungsrisiko für ihre Krankenhauskunden.
- Kliniken mit produktiver Pilotierung können jetzt von Anschlussfähigkeit zu Prozessqualität umschalten.
- Ein fehlender Pflicht-Baustein kann laut Finanzierungsvereinbarung bereits eine 50%-Kürzung auslösen; bei zwei fehlenden Anwendungen oder fehlender TI-Anbindung fällt die Zahlung ganz weg.
- Das eigentliche Bottleneck ist nicht mehr die politische Ansage, sondern Primärsystem-Readiness, Widerspruchslogik und praxistauglicher Dokumentenfluss.
Vollanalyse: Was Krankenhäuser jetzt operativ absichern sollten, bevor der Rollout zum Erlösproblem wird →
Hoch
DiGA geht in Phase zwei: Ab 2026 zählt nicht mehr nur die Aufnahme, sondern die Nutzung
Das BfArM hat mit dem DiGA-Leitfaden Version 3.6 und den DigiG-FAQ die neue Stoßrichtung festgezogen: Seit 1. Januar 2026 beginnt die anwendungsbegleitende Erfolgsmessung. Hersteller müssen quartalsweise anonymisierte, aggregierte Daten liefern; veröffentlicht werden sollen insbesondere Nutzungsdauer, Nutzungshäufigkeit, Patientenzufriedenheit und patientenberichteter Gesundheitszustand. Zusätzlich verweist das BfArM darauf, dass der dauerhafte Vergütungsbetrag einer DiGA ab 2026 mindestens 20% erfolgsabhängig sein wird.
01.01.26
Start der Erfolgsmessung
20%
erfolgsabhängige Vergütung
- DiGA-Hersteller brauchen jetzt belastbare Nutzungs- und Outcome-Telemetrie, nicht nur gute Zulassungsunterlagen.
- Produktteams müssen Abbruch, Aktivierung und Patientenzufriedenheit wie Reimbursement-Metriken behandeln.
- Kassen bekommen mittelfristig mehr Hebel, um Vergütung vom realen Versorgungseffekt zu entkoppeln.
VERT. Einschätzung
Für DiGA verschiebt sich der Wettbewerb vom Fast-Track zum Beweis im Betrieb. Das ist gut für belastbare Produkte und unerquicklich für schöne PowerPoint-Medizin.
Mittel
EHDS ist kein Sofortfeuer. Die nächste harte Deadline liegt 2027.
Die EU-Kommission datiert die Veröffentlichung der EHDS-Verordnung auf den 5. März 2025, das Inkrafttreten auf den 26. März 2025. Der operative Takt ist länger als viele Produktteams denken: Bis März 2027 sollen zentrale Implementing Acts vorliegen; ab März 2029 sollen Patient Summary und ePrescription/eDispensation in allen Mitgliedstaaten anwendbar werden. Wer in Deutschland ePA-nahe Produkte baut, hat damit kein Sofortproblem, aber sehr wohl ein Architekturproblem.
03.2027
Implementing Acts
03.2029
erste Anwendungspflichten
- Health-IT-Anbieter sollten Interoperabilität und Consent nicht als spätere Compliance-Schicht behandeln.
- Krankenhäuser und Plattformteams gewinnen Zeit, aber nicht die Freiheit, noch zwei Jahre proprietär zu modellieren.
- Forschung und Sekundärnutzung bekommen einen klareren regulatorischen Zielkorridor als bisher.